Beruf & Büro

Die 30 häufigsten Büro-Bullshit-Phrasen

Meetingraum mit Whiteboard, Notizblöcken und Kaffeetassen

Es gibt eine Sprache, die niemand zu Hause spricht und die trotzdem jeder im Büro beherrscht. Sie klingt entschlossen, verpflichtet zu nichts und funktioniert erstaunlich zuverlässig als Ersatz für Aussagen. Das Faszinierende daran: Alle Beteiligten wissen, was gemeint ist, und trotzdem hält sich diese Sprache über Jahrzehnte und Branchengrenzen hinweg. Dieser Beitrag sammelt dreißig Klassiker, ordnet sie nach ihrer Funktion und liefert die Übersetzung mit. Wer sie kennt, versteht Meetings besser – und merkt schneller, wann tatsächlich entschieden wurde und wann nicht.

Phrasen, die eine Entscheidung vermeiden

Die größte Gruppe dient dazu, ein Thema zu beenden, ohne es zu entscheiden. Erstens: Das nehmen wir mit – bedeutet in aller Regel, dass es dort bleibt, wohin es mitgenommen wurde. Zweitens: Da müssen wir noch mal drübersprechen – ein Termin dafür wird selten vereinbart. Drittens: Lass uns das offline klären, wobei offline hier alles außer diesem Meeting bezeichnet und häufig nirgends stattfindet. Viertens: Wir sollten da ergebnisoffen reingehen, was manchmal ehrlich gemeint ist und häufiger bedeutet, dass niemand die Verantwortung für eine Richtung übernehmen möchte. Fünftens: Das ist ein guter Punkt, den wir parken – parken ist die vornehmste Form des Ablegens. Sechstens: Ich gebe das mal weiter, ohne Angabe an wen. Siebtens: Wir müssen das strategisch betrachten, was Konkretes zuverlässig auf später verschiebt. Achtens: Grundsätzlich ja, aber – der Teil vor dem Aber ist Höflichkeit, der Teil danach die Aussage. Und neuntens: Da sind wir noch in der Findungsphase, die bekanntlich kein definiertes Ende hat.

Phrasen, die Mehrarbeit ankündigen

Die zweite Gruppe erkennt man daran, dass sie freundlich klingt und Arbeit erzeugt. Zehntens: Kannst du da mal kurz draufschauen – kurz bedeutet hier nie kurz. Elftens: Das ist eigentlich schnell gemacht, gesprochen von jemandem, der es nicht machen wird. Zwölftens: Wir bräuchten da mal eine Übersicht, was in der Regel Datenrecherche über mehrere Tage bedeutet. Dreizehntens: Nur ganz grob, kein Aufwand – und am Ende steht eine Präsentation. Vierzehntens: Da bist du doch der Experte, ein Kompliment mit angehängtem Auftrag. Fünfzehntens: Wollen wir das mal andenken – Andenken führt erfahrungsgemäß zu Durchdenken und dann zu Ausarbeiten. Sechzehntens: Machst du dir da mal Gedanken zu, die schriftlich erwartet werden. Siebzehntens: Können wir das bis Freitag haben, gesagt an einem Donnerstagnachmittag. Achtzehntens: Das läuft ja quasi nebenbei mit, was der zuverlässigste Indikator dafür ist, dass es das nicht tut. Und neunzehntens: Wir sollten das sauber aufsetzen, was die Verdoppelung jedes Zeitplans einleitet.

Phrasen aus dem Wörterbuch der Wichtigkeit

Die dritte Gruppe dient vor allem dazu, Bedeutung zu erzeugen. Zwanzigstens: Synergien heben – gemeint ist meist, dass zwei Bereiche zusammengelegt werden. Einundzwanzigstens: Wir müssen das Big Picture sehen, häufig eingesetzt, wenn nach Details gefragt wurde. Zweiundzwanzigstens: Das ist ein echter Gamechanger, was es in neun von zehn Fällen nicht ist. Dreiundzwanzigstens: Wir denken das vom Kunden her, ein Satz, dem selten eine Kundenbefragung zugrunde liegt. Vierundzwanzigstens: Auf Augenhöhe kommunizieren, meist von der Ebene gesagt, die die Augenhöhe definiert. Fünfundzwanzigstens: Wir sind da sehr agil aufgestellt, was gelegentlich Methode bedeutet und häufiger fehlende Planung. Sechsundzwanzigstens: Da müssen wir die Stakeholder abholen, wobei das Abholen oft ein Informieren im Nachhinein ist. Siebenundzwanzigstens: Das ist ein Learning für uns alle, die freundlichste Umschreibung eines Fehlers. Achtundzwanzigstens: Wir haben da eine sehr offene Fehlerkultur, ein Satz, dessen Wahrheitsgehalt sich erst im nächsten Fehler zeigt. Neunundzwanzigstens: Wir müssen die PS auf die Straße bringen, gern kurz vor einem Quartalsende. Und dreißigstens: Wir sind hier alle eine Familie, der bei arbeitsrechtlichen Fragen erfahrungsgemäß seine Grenze findet.

Warum sich diese Sprache so hartnäckig hält

Es wäre zu einfach, all das als Unehrlichkeit abzutun, denn diese Sprache erfüllt tatsächlich Funktionen. Sie erlaubt es, ein Thema zu beenden, ohne jemanden bloßzustellen, und sie schafft Spielraum in Situationen, in denen eine klare Aussage vorschnell wäre. In Organisationen mit vielen Beteiligten ist Vagheit zudem ein Schutz gegen Festlegungen, die später korrigiert werden müssten. Auch Statusfragen spielen eine Rolle: Wer die Sprache beherrscht, signalisiert Zugehörigkeit, und das ist in jeder Berufsgruppe so, von der Medizin bis zum Handwerk. Problematisch wird es erst, wenn Vagheit den Normalzustand bildet, denn dann weiß nach einer Stunde Besprechung niemand, was gilt. Ein zuverlässiges Alarmsignal ist, wenn am Ende eines Termins niemand benennen kann, wer bis wann was tut. Genau dort liegt auch die Lösung, und sie ist unspektakulär: eine Frage nach Zuständigkeit und Frist, freundlich gestellt. Wer das regelmäßig tut, verändert Meetings mehr als jede Methodenschulung. Und die Sprache selbst verschwindet dadurch nicht, verliert aber ihre Wirkung als Ersatz für Entscheidungen.

Was stattdessen funktioniert

Für den Alltag lassen sich daraus ein paar sehr konkrete Gewohnheiten ableiten. Am Ende jedes Termins gehören drei Angaben festgehalten: was entschieden wurde, wer den nächsten Schritt macht und bis wann. Wenn eines davon fehlt, ist die Besprechung nicht zu Ende. Wer eine Aufgabe erhält, sollte den Umfang aktiv klären, statt kurz und mal zu akzeptieren – eine Frage nach dem gewünschten Ergebnis kostet dreißig Sekunden und spart Tage. Bei Aussagen, die groß klingen, hilft die Frage nach dem konkreten Beispiel, und zwar ohne Ironie, weil sie fast immer produktiv wirkt. Wer selbst unsicher ist, gewinnt mit einer offenen Aussage mehr, als es jede Formel könnte, etwa mit dem Hinweis, dass man dazu noch keine Meinung hat und bis Mittwoch eine liefert. Auch schriftliche Zusammenfassungen wirken, weil sich Vagheit im geschriebenen Satz schlechter verstecken lässt. Und wer als Führungskraft klar formuliert, senkt automatisch den Bedarf an Phrasen im ganzen Team. Humor darüber ist übrigens erlaubt, solange er sich auf die Sprache richtet und nicht auf einzelne Personen.

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Fazit

Die dreißig Klassiker lassen sich in drei Gruppen ordnen: Sätze, die Entscheidungen vermeiden, Sätze, die freundlich Arbeit verteilen, und Sätze, die Bedeutung erzeugen. Diese Sprache ist kein reines Ärgernis, denn sie schafft Spielraum und schont Gesichter – problematisch wird sie erst, wenn sie den Normalfall bildet. Das wirksamste Gegenmittel ist unspektakulär: am Ende jedes Termins festhalten, was entschieden wurde, wer handelt und bis wann. Wer Aufträge im Umfang klärt und bei großen Sätzen nach dem Beispiel fragt, bringt Klarheit zurück, ohne jemanden vorzuführen. Und für alles andere bleibt der Trost, dass diese Sprache zuverlässig gutes Material für die Kaffeepause liefert.

Passend dazu sind Meetings, die niemand braucht und Büroalltag mit Humor. Wer die Teamseite sucht, findet sie in Teambuilding ohne Fremdscham.

Bildhinweis: KI-erzeugt.