Wer sich unser Programm ansieht, stellt schnell eine Frage: Wie kann ein Verlag mit einem so kleinen Team über Kindererziehung, Vereinsarbeit, Technik, Sport und Kochen gleichzeitig schreiben? Und dahinter steckt meist eine berechtigte Kritik. Niemand ist Fachmann für alles. Wer so tut, als wäre er es, macht sich unglaubwürdig.
Unsere Antwort ist einfach: Wir tun auch nicht so. Wir sind für die meisten unserer Themen keine Fachleute. Wir sind diejenigen, die recherchieren, nachfragen, zuhören, ordnen und aufschreiben. Das Fachwissen kommt von Menschen, die das Thema jeden Tag leben. Diese Seite erklärt, wie dieser Prozess in der Praxis aussieht, damit Sie selbst einschätzen können, was unsere Bücher wert sind.
Kein Buch ohne Menschen aus dem Thema
Am Anfang jedes Buches steht eine gründliche Recherche. Fachliteratur, Studien, Fachartikel, Foren, Vereinssatzungen, Handbücher, je nachdem, was das Thema hergibt. Das ist aber nur die Grundlage, nicht das Buch.
Der entscheidende Schritt kommt danach: Wir holen uns Menschen dazu, die im Thema stehen. Das ist bei uns kein Marketingversprechen, sondern Arbeitsweise. Ein paar Beispiele:
Pädagogik mit Humor. Entstanden gemeinsam mit erfahrenen Pädagoginnen und Pädagogen. Erziehung ist ein Feld, in dem sich Ratgeber gegenseitig widersprechen und in dem viel Halbwissen unterwegs ist. Wer hier ohne Rückkopplung mit der Praxis schreibt, produziert im besten Fall Belangloses.
Wissen fürs Lehrerzimmer. Für dieses Buch haben wir mit Lehrerinnen und Lehrern gearbeitet, die den Schulalltag kennen. Was in der Theorie nach einer guten Feedbackmethode klingt, scheitert im Klassenzimmer oft an Zeit, Klassengröße oder schlicht daran, dass es die Schülerinnen und Schüler durchschauen. Solche Einwände bekommt man nur von Leuten, die es täglich versuchen.
Schützenverein. Hier waren Mitglieder aus dem Vereinsleben eingebunden. Vereinskultur ist ein eigener Kosmos mit gewachsenen Regeln, Traditionen und ungeschriebenen Gesetzen. Von außen betrachtet versteht man davon wenig.
THW. Auch dieses Buch ist mit jemandem entstanden, der beim Technischen Hilfswerk aktiv ist. Bei Organisationen mit klarer Struktur, eigener Sprache und echtem Einsatzalltag ist eine Rückkopplung aus der Praxis unverzichtbar.
Dazu kommen in jedem Projekt Testleserinnen und Testleser. Sie lesen die Rohfassung, markieren, was unverständlich, falsch, langweilig oder schlicht daneben ist. Ihre Rückmeldungen fließen in die Überarbeitung ein. Ohne diesen Schritt geht bei uns kein Buch in den Druck.
Die Ausnahme: eigene Erfahrung
Es gibt Themen, bei denen ich auf externe Fachleute verzichte, weil ich die Erfahrung selbst mitbringe. Beim Skifahren zum Beispiel: fast 35 Jahre auf der Piste, vom ersten Pflugbogen bis zu Bedingungen, über die in keinem Lehrbuch etwas Brauchbares steht. Wer eine Sache über Jahrzehnte selbst macht, braucht dafür keinen zweiten Experten.
Diese Ausnahme gilt aber nur dort, wo die Erfahrung wirklich vorhanden ist. Sie ist keine Hintertür, um Recherche zu sparen.
Mensch und KI
Wir arbeiten mit KI. Das sagen wir offen, weil wir es für ehrlicher halten als das Gegenteil. Entscheidend ist aber, wie.
Wir kopieren keine KI-Texte in ein Buch. Was ein Sprachmodell liefert, ist bei uns Rohmaterial und Gesprächspartner, nicht Ergebnis. Jeder Abschnitt wird gelesen, diskutiert, hinterfragt, umgestellt und in großen Teilen neu geschrieben. Es fließen Impulse aus den Fachgesprächen ein, Beispiele aus der Praxis, Formulierungen, die zum Ton des Buches passen. Wo etwas nach Textbaustein klingt, fliegt es raus.
Das ist kein Nebenbei-Prozess. Für ein Buch kommen bei uns regelmäßig über hundert Arbeitsstunden zusammen. Selbst die Formatierung machen wir am Ende von Hand, Seite für Seite, weil automatische Layouts an genau den Stellen Fehler produzieren, die Leserinnen und Leser dann bemerken.
KI beschleunigt bei uns das Strukturieren, das Durchspielen von Varianten und das Aufräumen von Rohtexten. Sie ersetzt weder die Recherche noch das Gespräch mit Menschen aus dem Thema noch das eigene Urteil.
Kochbücher: nachgekocht statt abgeschrieben
Bei Kochbüchern gilt eine zusätzliche Regel, denn ein Rezept, das nicht funktioniert, merkt man sofort. Die Mehrheit der Gerichte in unseren Kochbüchern habe ich selbst gekocht, probiert und angepasst. Mengen, Garzeiten, Reihenfolge der Schritte, all das wandert nach dem Kochen zurück ins Manuskript. Manches Rezept ist dabei zwei- oder dreimal in der Pfanne gelandet, bis es gestimmt hat.
Zwei Gerichte, die ich besonders empfehle: Odins Opfermahl aus dem Odins Kochbuch und das Fleischwanzen-Ragout aus dem Gamer-Kochbuch. Beide klingen nach Gimmick und schmecken nach echter Küche. Ich kann Ihnen zu beiden sagen, wie sie riechen, wie lange sie brauchen und woran es liegt, wenn sie misslingen. Genau das ist der Unterschied zu Rezepten, die einmal durch ein Sprachmodell gelaufen und direkt ins Layout gewandert sind.
Was wir nicht tun
- Wir veröffentlichen keine ungeprüften KI-Texte.
- Wir erfinden keine Quellen, Zitate oder Studien. Was wir nicht belegen können, steht nicht im Buch oder wird als Meinung gekennzeichnet.
- Wir kaufen keine Rezensionen.
- Wir behaupten keine Expertise, die wir nicht haben. Wo Fachwissen von außen kommt, sagen wir das.
- Wir schreiben keine Ratgeber, die nur aus wohlklingenden Allgemeinplätzen bestehen. Wenn ein Thema keinen konkreten Nutzen hergibt, machen wir kein Buch daraus.
Fehler, Feedback und Neuauflagen
Trotz Recherche, Fachgesprächen und Testlesen passieren Fehler. Ein Datum stimmt nicht, eine Regel hat sich geändert, eine Formulierung ist missverständlich, eine Grammangabe zu großzügig.
Wenn Ihnen so etwas auffällt, schreiben Sie mir an dominic@agile-buchschmiede.de. Ich prüfe jeden Hinweis und korrigiere ihn in der nächsten Auflage. Das ist einer der wenigen echten Vorteile unserer Arbeitsweise gegenüber klassischen Verlagen: Wir sind schnell genug, um Korrekturen tatsächlich umzusetzen, statt sie auf eine Neuauflage in fünf Jahren zu vertagen.
Agile Buchschmiede — Dr. Dominic Lindner